Rock im Park – und wir mitten drin

Am 06.06. machte sich ein fröhlicher Trupp von acht Selber Wasserwachtlern auf, um ehrenamtlich die Kameraden der Wasserwacht Nürnberg Stadt beim Sanitätswachdienst zum Festival „Rock im Park“ personell zu unterstützen. Die Anreise war geprägt von Vorfreude, aber auch von etwas gemischten Gefühlen ob der Dinge, die uns da erwarten. Schließlich zählt „Rock im Park“ mit 72 500 Besuchern zu den größten deutschen Musikfestivals.

Schon das Abholen unserer Einlassbändchen und Dienstausweise war ein bischen aufregend, wurden wir doch damit offiziell als „emergency staff“ ausgewiesen.

Zeit zum Verschnaufen blieb aber kaum. Die gesamte Truppe war gleich für die Nachtschicht von 20-8 Uhr eingeteilt. Wir wurden also ins Gelände zu unserem Einsatzabschnitt und Zuhause der nächsten 4 Nächte, der Wasserwachstation am kleinen Dutzendteich, geshuttelt. Dort folgte die Einweisung und Belehrungen, und dann gings auch schon los.

Die Dienste finden in 12 Stunden Schichten statt. Pro Schicht waren in unserem Abschnitt bis zu 30 Helfer eingeteilt:

1 Abschnittsleiter, 1 Sanitätsleiter, 1 Arzt (nachts)
2 Helfer Registratur/ Dokumentation

3 Erstversorgungstrupps (EVT) mit je 4 Helfern (davon ein Team mit e-bikes)

10 Helfer an der Station

In der Station gab es ein Behandlungszelt mit 6 Plätzen, ein Betreuungszelt mit 10 Betten und einen Intensivbehandlungsraum mit 2 Plätzen. Wir stellten mit Chrisi die Ärztin für alle 4 Nächte, tagsüber wurden Ärzte nur im zentralen Medical Center vorgehalten. Zudem waren wir in unterschiedlicher Personalstärke in den  EVTs und im Zelt eingeteilt. Vom Ausbildungsstand war alles vorhanden, vom frisch gebackenen Sanitätshelfer bis zum erfahrenen Notfallsanitäter, Rettungsschwimmer, Wasserretter, Bootsführer… Die Koordination der Notrufe und der Einsätze übernahm die, ebenfalls von Ehrenamlichen besetzte  “Rettungsleitstelle Rock im Park“.

Es blieb gerade noch Zeit einen Blick aufs Material (gut ausgestattete Notfallrucksäcke, AED, Funkgeräte) zu werfen, da wurde im Zelt auch schon nach einem Arzt verlangt und die Abschnittsleiterin rief das EVT1 und kurz darauf das EVT 2 aus. Und so ging es dann die nächsten 4 Nächte, wobei immer mal einige von uns eine Nacht frei hatten und die Konzerte auch privat besuchen konnten. Versorgt wurden die unterschiedlichsten Verletzungen und Erkrankungen. Vor allem Wunden, Brandverletzungen,  Augenverletzungen, Prellungen, Verstauchungen und  Brüche (besonders unser Physiotherapeut Lars konnte hier sein Fachwissen zum Einsatz bringen), außerdem Alkohol und hitzebedingte Kreislaufprobleme, Herzprobleme, psychiatrische Notfälle, Hitzschlag und noch vieles mehr. Ab der zweiten Nacht häuften sich dann die Versorgungen von allergischen Reaktionen auf Eichenprozessionsspinner, der am gesamten Zeltplatz zum Problem wurde.  Einsätze  mit dem Boot beschränkten sich auf „Zeltbergungen“. Wir hatten jedenfalls gut zu tun.

Hervorzuheben ist insbesondere die Zusammenarbeit mit den anderen Ortsgruppen und Helfern aus den Bereitschaften. Hier wurden schnell Freundschaften geschlossen. So eine Nacht verbindet schon irgendwie. Jeder hatte auch mal Zeit einen Kaffee zu trinken. Die Versorgung mit Essen klappt beim Roten Kreuzt ja immer, wobei es für unseren Achim dort durchaus auch zu tun gäbe. Für kurze Nickerchen (die ab der zweiten Nacht dann doch nötig waren) fand sich auch immer mal ein Zeitfenster und ein freier Stuhl oder Tisch.

Über den gesamten Zeitraum wurden an allen Stationen 3518 sanitätsdienstliche Hilfeleistungen erbracht, davon 387 ärztliche Versorgungen. Allein in unserem Einsatzabschnitt, welcher sich als einsatzstärkster herausstellte etwas über 800.

Tagsüber konnten wir unsere Feldbetten relativ komfortabel in der nahen Notfallsanitäterschule aufschlagen. Dort war auch wiederum für Essen und Getränke gesorgt. Mit Hilfe von Ohrstöpseln konnte man dann ein paar Stunden Schlaf ergattern.

Was bleibt uns besonders in Erinnerung? Festival Besucher, die sich mit Ständchen für unseren Einsatz bedankten, einzelne davon auch jeden früh wieder. Skurrile, herausfordernde und auch spannende Einsätze. Eindrucksvoll war tatsächlich auch die Menge an Müll, und damit meine ich wirklich eine Menge. Aber, das eigentlich wertvollste war doch auch der Austausch mit den Kameraden anderer Ortsgruppen, mit denen man spätestens nach der vierten Nacht meint , schon ewig zusammenzuarbeiten. Auch mit dem Personal vom Sicherheitsdienst und der Polizei war durchweg eine positive Zusammenarbeit gegeben.

Ein herzliches Dankeschön an die Wasserwacht Nürnberg Stadt für die gute Aufnahme in ihre Station. Das Angebot nächstes Jahr wiederzukommen, nehmen wir bestimmt an.

Somit: Bis zum nächsten Jahr!

Alle Bilder wurden uns von den Bereitschaften des KV-Nürnberg-Stadt zur Verfügung gestellt

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